Darf mir der Arbeitgeber ein abschließendes Arbeitszeugnis verweigern?

Antwort: Nein. Der Arbeitsgeber darf dem Wunsch auf Ausstellung eines Arbeitszeugnisses nur in Ausnahmefällen widersprechen. Bei kurzem Beschäftigungszeitraum von einem halben Jahr oder weniger, ist oft ein einfaches Arbeitszeugnis ausreichend.

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Das muss ins einfache Arbeitszeugnis rein:

  • Art und Dauer des Arbeitsverhältnisses
  • Angaben zur Person des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers, beim Arbeitnehmer mit Angabe von Name, Vorname, Beruf, Geburtsdatum und Anschrift
  • detaillierte Angabe des Arbeitsplatzes und der ausgeübten Tätigkeit
  • beim Auszubildenden: Mitteilung, welche Fähigkeiten der Auszubildende während der Ausbildung erlangt hat.

Das muss ins qualifizierte Arbeitszeugnis rein:

  • Beschreibung der ausgeübten Tätigkeiten
  • Beurteilung der Leistung durch die Darlegung von Fachkenntnissen, Arbeitsqualität, -bereitschaft und Fleiß
  • Beurteilung der Führung des Arbeitnehmers durch Beschreibung der für das Sozialverhalten maßgeblichen Kriterien, wie z. Bsp. Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kunden
  • bei Führungskräften, Darstellung eines konkreten Führungsverhalten
  • Die Gründe für die Beendigung des Arbeitsverhältnisses werden nur genannt, wenn dies durch den Arbeitnehmer gewünscht wird
  • ungewöhnliche, länger andauernde Unterbrechungen des Arbeitsverhältnisses sind nur dann und ohne Gründe zu vermerken, wenn sie die gesamte Beschäftigungszeit geprägt und in etwa die Hälfte der Gesamtbeschäftigungszeit ausgemacht haben (stets Einzelfallbetrachtung angezeigt)

Das sollte im besten Fall auch drinstehen: Eine Grußformel a la „Wir wünschen dem Mitarbeiter XY für seine berufliche und private Zukunft alles Gute!“. Wenn so ein gutgemeinter Wunsch fehlt, ist das negativ interpretierbar. Sollte Ihnen also auffallen, dass dieser Satz fehlt, bitten Sie ihren Arbeitgeber um eine entsprechende Aufnahme.

Natürlich obliegt es dem Arbeitgeber, den Inhalt des Schreibens zu gestalten, allerdings ist Wohlwollen und Wahrheitstreue für den Arbeitgeber dabei oberste Pflicht. Wer ein sehr gutes Arbeitszeugnis will, sollte auf Superlative achten: zur „vollsten Zufriedenheit“ ist besser als „zur vollen Zufriedenheit“. Was den neuen Arbeitgeber im Zeugnis abschrecken wird, sind Formulieren wie: „An den Ergebnissen seiner Arbeit war nichts auszusetzen“ – übersetzt heißt das sowas wie „kurz vor der Totalkatastrophe“.

Wichtig ist generell, dass betont wird, warum der Arbeitnehmer ein wichtiger Mitarbeiter war: Schlüsselqualifikationen sind da zu nennen, sowie spezifische Fachkenntnisse. Adjektive wie „zielorientiert“ oder „Strukturiert“ sind besser als „überlegt“ oder „engagiert“ – wenn Nachdenken und Engagement im Zeugnis hervorgehoben werden, heißt das meist das Gegenteil: der Arbeitnehmer war eher ein denkfauler Sitzsack.

Sie benötigen Hilfe im entschlüsseln Ihres Arbeitszeugnisses? Wir beraten gern und helfen weiter! Kontaktieren Sie uns jetzt!